Die trockene Wahrheit
Entwicklungshilfe oder skrupelloses Geschäftsmodell?
Grete Bauneuer
Investigative Journalistin

Trockener Flusslauf in der Region Petorca, Chile - während nebenan industriell Avocados bewässert werden
Was zunächst wie ein Akt der späten Reue klang, entpuppt sich als handfester Skandal: Der sonst für skrupellose Geschäfte bekannte Unternehmer Ole Kmuns gibt vor, ein Entwicklungshilfeprojekt in Chile zu unterstützen. Interne Unterlagen zeigen jedoch ein anderes Bild.
In der Region Petorca, einem ohnehin extrem trockenen Gebiet, werden Avocados angebaut – eine Frucht, die rund 1.000 Liter Wasser pro Kilogramm benötigt. Der örtliche Fluss trocknet regelmäßig aus, während Kleinbauern und Familien ihr Trinkwasser teuer von Tankwagen kaufen müssen.
Kmuns' Firma plant offenbar, mithilfe von Fördergeldern Trinkwasserrechte zu erwerben, um den industriellen Avocado-Anbau auszuweiten. Entwicklungshilfe würde so missbraucht, um Wasser der lokalen Bevölkerung zu entziehen und Gewinne durch Exportmärkte in Europa und den USA zu maximieren.
Wenn Effizienz das Wasser abgräbt
Das Nachhaltigkeitsziel 6 der Vereinten Nationen fordert den weltweiten Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung. Der Fall Petorca zeigt exemplarisch, wie weit Realität und Anspruch auseinanderliegen.
Privatisiertes Wasser, fehlende staatliche Kontrolle und der Druck globaler Agrarmärkte gefährden dieses Ziel massiv. Wo Wasser zur Ware wird, verliert es seine Funktion als Menschenrecht.
Was wir jetzt tun können – TuDus für den Alltag
Leserinnen und Leser können handeln:
- •Informiert euch über die Herkunft eurer Lebensmittel und bevorzugt wasserschonend produzierte Produkte.
- •Reduziert den Konsum wasserintensiver Importfrüchte wie Avocados.
- •Unterstützt Initiativen, die sich für das Recht auf Wasser einsetzen.
- •Sprecht politische Entscheidungsträger an und fordert transparente Entwicklungshilfe.
Nachhaltigkeit beginnt im Alltag – und endet nicht an der Supermarktkasse. Hier findet ihr alle TuDus: https://17ziele.de/tudu.html
Über die Autorin
Grete Bauneuer
Grete Bauneuer ist investigative Journalistin bei Krautjournal. Ihre Recherchen zu Korruption und Machtmissbrauch haben bereits mehrere politische Skandale aufgedeckt. Sie wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Journalistenpreis.